14. Januar 2020

„Die Bücherliebe lebt, auch in der jungen Generation.“

Adela Sophia Sabban (Jahrgang 1992) gewinnt den erstmalig verliehenen Preis für Junge Sammlerinnen und Sammler für ihre Bewerbung unter dem Titel  „Die Dichtung für das Auge“

„Wer den ‚Preis für junge Büchersammler’ für einen vorprogrammierten Flop gehalten hat, weiß es jetzt besser: Es gibt sie, die jungen Menschen, die sich für die Welt des gedruckten Buches interessieren! Und sie sammeln auch, Bücher und Graphik in allen Erscheinungsformen, quer durch die Jahrhunderte, vom illustrierten Buch des 18. Jahrhunderts bis zur Postkarte aus der DDR. Sie sammeln, ohne groß Aufhebens davon zu machen, und deswegen ist es gut, dass mit dem Preis des VDA diesen jungen Buch-Aficionados Anlass und Gelegenheit geboten wird, aus ihrer Anonymität herauszutreten. Es ist ein wunderbares Signal: Die Bücherliebe lebt, auch in der jungen Generation.“ (Prof. Dr. Ernst Fischer, Vorstand der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst und Vorsitzender der Wiener Bibliophilen Gesellschaft, Jurymitglied des Preises für Junge Sammler 2020)

Das gedruckte Buch, Graphik, Autographen, Arbeiten auf Papier haben auch im Zeitalter der sozialen Medien nicht an Reiz verloren. Im Gegenteil, insbesondere Instagram oder Pinterest schaffen neue Möglichkeiten, der Liebe zum Buch und zum Gedruckten Ausdruck zu verleihen und die eigenen Stücke oder Käufe zu präsentieren.

Was sammelt die jüngere Generation? Wie lassen sich unsere analogen und digitalen Welten verbinden? Schließen sie einander aus oder sind soziale Medien gerade eine Möglichkeit die Schönheit von Buch, Schrift, Bild, Fotografie zu zeigen? Diese Fragen stellte sich der Verband Deutscher Antiquare und rief 2019 zum ersten Mal einen Preis für junge Sammlerinnen und Sammler (bis zum 35. Lebensjahr) aus.
Der Umfang der Bewerbungen war ein klares Zeichen für die Jury, bestehend aus Expertinnen und Experten der Buchbranche; Bücher haben ihren Reiz auch für die junge Generation nicht verloren!

Der Verband Deutscher Antiquare gratuliert sehr herzlich Adela Sophia Sabban zum Gewinn des in diesem Jahr erstmalig verliehenen Preises, dotiert mit 1000 Euro.

Adela Sophia Sabban, Jahrgang 1992, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in München und Padua. 2018 schloss sie das Masterstudium der germanistischen Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Frau Sabban blickt mit ihrer Sammlung auf die Verbindung von Kunst und Dichtung. Der Beginn der Sammlung lag vorerst in der Studie von Kupferstichen zu Werken Goethes und erstreckte sich im späteren Verlauf zu Werken früherer Dichter der deutschen Klassik.
„ …mich interessierten die Verbindungen … zwischen der Literatur und der bildenden Kunst: in welcher Beziehung stehen Wort und Bild? Inwieweit ist Sprache bildhaft? Wie nachdrücklich ‚spricht‘ das Bild? Wie verwenden bildende Künstler, wie Schriftsteller Elemente des jeweils ‚anderen‘ Mediums, des Textes und des Bildes? So erkläre ich mir dann den empfangenen ‚Reiz’ und die ‚Freude’.“ (Auszug aus der Bewerbung von Adela Sophia Sabban im November 2019).

Die langjährige Recherche und Arbeit am Thema resultierte im Jahr 2018 in einer Masterarbeit, welche das Miteinander von Wort und Bild thematisierte und im Sommer 2019 als Buch im Büchner-Verlag in Marburg erschien: „Goethes Werke in der Bilddeutung von Wilhelm von Kaulbach und seinen Schülern. Die ‚Gallerie zu Goethe’s sämmtlichen Werken’ (1840–1841).“

Die Qualität der Bewerbungen veranlassten den Verband, darüber hinaus zwei weitere 2. Preise zu verleihen:

Markus Lambertz mit einem Schwerpunkt der Sammlung auf Originalausgaben naturwissenschaftlicher Literatur;

Florian Telsnig für dessen vielfältige, zeitgenössische Sammlung und überzeugende Definition und Hinterfragung zum Wesen einer Sammlung.

Die eingereichten Bewerbungen repräsentieren sowohl Bücher als auch andere antiquarische Objekte, was die Vielfalt des Antiquariatsbuchhandels zeigt. Die Bewerbungen zeugen von Leidenschaft und Sachkenntnis.

Die Preisträgerin präsentiert während der Antiquariatsmesse Stuttgart Objekte ihrer Sammlung und wird am Sonntag, den 26. Januar um 15 Uhr gemeinsam mit einem Jurymitglied und einem der 2. Preisträger, Markus Lambertz, auf dem „Roten Sofa“ zu Gast sein.

Der Verband Deutscher Antiquare dankt der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst und der Zeitschrift Aus dem Antiquariat sowie den Mitgliedern der Jury für die aktive Unterstützung.

 


Auszüge aus den Bewerbungen der 3 Preisträger

Adela Sophia Sabban

Der Weg 

Am Anfang war der Reiz und die Freude: zunächst der Reiz, als ich erstmals die feinsinnigen Stahlstiche von Wilhelm von Kaulbach in die Hände bekam, eine äußerlich fast unscheinbare Sammlung von vierzig Stahlstichen, wenige Jahre nach Goethes Tod geschaffen und für die neugeordnete Gesamtausgabe seiner Werke (Cotta: 1840/41) bestimmt; dann die zunehmende Freude, als ich sah, wie bunt sich insgesamt die Welt der bildlichen Goethe-Deutungen darstellte, wie der eine Stich dies, der andere das heraushob, wie auch die Künstler in ihrer Arbeit aufeinander reagierten, widersprachen oder bestätigten und das fortentwickelten, was die früheren angelegt hatten. 

Denn nach den Stichen zu Werken Goethes kamen bald auch Kupferstiche zu Werken früherer Dichter der deutschen Klassik in den Blick, denn ich stellte mir die Frage, wie sich dieses Miteinander von Bild und Dichtung entwickelte: So Wieland, mit seiner „Musarion“ (gestochen von Johann Michael Stock), mit den „Gracien“ (gestochen von Christian Gottlieb Geyser), beide nach Vorlagen von Friedrich Oeser; aber auch ein anderer Dichter, der es nicht ganz zum Klassiker schaffte, Moritz August von Thümmel mit seiner „Wilhelmine“ (gestochen von Johann Michael Stock, nach Zeichnung von Friedrich Oeser) und auch Gottfried August Bürger mit Stichen zu einer Werkausgabe (gestochen von Joseph Stöber). Dann kamen natürlich auch Stiche zu den Werken Friedrichs von Schiller hinzu. 

Galt das Interesse nach den Dichtern zunächst den Zeichnern der Stichvorlagen, wurden dann doch auch bald die Stecher bedeutsam: ihr Voranschreiten, das auch auf die Entwicklung der Drucktechniken aufmerksam machte, selbst wenn es sich immer noch um die Stechkunst  handelte. Und so entstand allmählich aus Funden bei Antiquariatsbesuchen eine kleine Sammlung, bereichert bald durch wertvolle Hinweise von Antiquaren, auf die eine jungen Sammlerin ja angewiesen ist. 

Der Beweggrund 

Dichtung und bildende Kunst nämlich bewegen mich gleichermaßen und das führte mich auch zu einem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie (in München und Padua). Von Beginn meines Studiums an interessierten mich die Verbindungen zwischen diesen Fächern, insbesondere die zwischen der Literatur und der bildenden Kunst: in welcher Beziehung stehen Wort und Bild? Inwieweit ist Sprache bildhaft? Wie nachdrücklich ‚spricht‘ das Bild? Wie verwenden bildende Künstler, wie Schriftsteller Elemente des jeweils ‚anderen‘ Mediums, des Textes und des Bildes? So erkläre ich mir dann den empfangenen „Reiz“ und die „Freude“. 
 

Markus Lambertz

Ich habe mich während meines Biologiestudiums bereits früh auf die Zoologie spezialisiert und meine grundlegenden Forschungsinteressen lassen sich unter den zwei Schlagworten Morphologie und Systematik zusammenfassen. Beides sind Themengebiete, die zwingend auch eine Auseinandersetzung mit historischen Quellen erfordern. Die vergleichende Anatomie ist eine der ältesten biologischen Wissenschaften und blickt auf einen wahnsinnig reichhaltigen Fundus an Werken zurück, nicht selten Aspekte betreffend, mit denen sich seit dem 19. Jahrhundert nie wieder jemand wissenschaftlich befasst hat. Ähnlich ergeht es auch der systematischen Erforschung der belebten Natur. Hierbei kommt zudem besonders bei nomenklatorischen Fragestellungen auch der

Priorität einer Beschreibung tatsächlich eine fundamentale Bedeutung hinzu. Was dem ein oder anderen heutzutage leider eine Last ist, ist mir hingegen eine enorme Freude: Ich muss allein beruflich ständig alte Quellen durchforsten.

Genau wie ich meine eigenen Texte zur finalen Überarbeitung unbedingt als Ausdruck vor mir haben muss, so ist es mir auch ein großes Bedürfnis, die Werke anderer in physischer Form lesen zu können. Es geht dabei um die ganzheitliche sensorische Erfahrung, vom Visuellen über das Haptische bis hin zum Olfaktorischen. Wenn man ein mehrere Jahrhunderte altes Buch in der Hand hat, wird einem dieses Alter einfach wesentlich bewusster und – zumindest ich – lese die Beschreibungen aus einem entsprechenden Blickwinkel. Dies hilft mir besonders dabei etwaige Fehlschlüsse des Autors besser in den zeitgenössischen Kontext einzugliedern.

Meine Sammlung verfolgt nun zweifelsohne das Ziel, Teile dieses kultur- und wissenschaftshistorischen Schatzes zu erhalten und zu bündeln. Gleichzeitig ist diese Bündelung aber auch ein wichtiges Werkzeug für mich, da ich auch tatsächlich noch damit arbeite. Ohne Frage sind einige Werke dafür bedeutsamer als andere, dennoch betrachte ich meine Sammlung nie aus kommerzieller Sicht. Es geht mir nicht darum nur möglicht seltene oder teure Werke anzusammeln, sondern sie müssen eine Bedeutung für mich haben. Folglich ist der Übergang zwischen meinem modernen Handapparat aus aktuellen Titeln und den historischen Beständen vollkommen fließend.
 

Florian Telsnig

Eine Sammlung besteht womöglich weniger in der konkreten Akkumulation ihrer Werke als vielmehr im Möglichkeitsraum, der in diesen angelegt und aufgegeben ist; die in einer Sammlung zusammengetragenen Bücher, das scheint mir zentral zu sein, sind nicht allein Wegmarken der Geschichte, Autorit.ten des Wissens oder Monumente des Kanons, sondern vielmehr Mandatare für das Kommende und Offene. Als kommendes Buch adressiere ich hier diejenigen virtuell in der Sammlung angelegten Bücher, die ich gerade noch nicht kenne, womöglich jedoch einmal in meine Sammlung integriert haben werde. Mit jedem neuen Stück, das der Sammlung hinzugefügt wird, verschiebt sich ihr Fokus, erweitert sich ihr antizipierender Blick. Im besten Falle stellt jedes neue Buch, das zur Sammlung hinzutritt, den Charakter der ganzen Sammlung in Frage, um dann selbst alleinig überflüssig zu sein. Das mag ein theoretischer Fall sein, den ein Sammler sowenig kennt, wie er ihn kennen will.

Eine Sammlung stellt eine nachträgliche Konstruktion dar, also einen Versuch, einen Zusammenhang zwischen den Büchern herzustellen, die gesammelt wurden. Zum Großteil besteht eine Sammlung als Auslese aus den von ihr ausgeschlossenen Büchern. Dieser subjektiv auswählende Gestus unterscheidet die Sammler von den Archivaren oder von ihren angeblich pathologischen Pendants, welchen ein Messie-Syndrom attestiert wird. Streng genommen zeichnet eine Sammlung ein Narrativ, in dem die Bücher eine Sujetkette bilden, die nicht als Summe, sondern als System zur Sammlung werden. Die Konsistenz eines Narrativs bestimmt sich durch die Geschlossenheit ihrer Konstruktion. Konsistenz hin, Pathologie her, das Wesen des Sammelns dürfte wohl irgendwo zwischen diesen Fronten liegen, da jede Sammlung dazu neigt, sich zu verzweigen.

 


Pressemitteilung August 2019

Der Verband Deutscher Antiquare, Organisator der Antiquariatsmesse Stuttgart, lobt erstmalig einen Preis für junge Sammlerinnen und Sammler aus.

Das gedruckte Buch, Graphik, Autographen, Arbeiten auf Papier haben auch im Zeitalter der sozialen Medien nicht an Reiz verloren. Im Gegenteil, die sozialen Medien, insbesondere Instagram oder Pinterest, schaffen neue Möglichkeiten, der Liebe zum Buch und zum Gedruckten Ausdruck zu verleihen und die eigenen Stücke oder Käufe zu präsentieren.

Antiquarische Bücher und junge Menschen sind kein Widerspruch. Für eine jüngere Generation gehören soziale Medien zum Alltag. Dennoch schätzt die Generation der „Millenials“ das Analoge und den Aspekt der Nachhaltigkeit; in diversen Branchen ist dies seit längerer Zeit sichtbar, auch im Kunst- und Antiquariatsbuchhandel.

Der Preis

→ ein Preisgeld in Höhe von € 1000  
→ die Präsentation der Sammlung auf der Antiquariatsmesse Stuttgart, 24.–26. Januar 2020
→ ein Jahr kostenlose Mitgliedschaft in der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst
→ ein kostenloses Jahresabonnement der Zeitschrift Aus dem Antiquariat

Die Bewerbung 

Die Bewerber sind zum Zeitpunkt der Einreichung nicht älter als 35 Jahre und sammeln zu einem bestimmten Thema, einer Provenienz, einem Künstler oder Autor, aber es können auch Einbände, Handschriften, Plakate, Ephemera oder anderes sein.

Die Bewerber werden gebeten, eine Liste mit einer Beschreibung von mindestens 20 Objekten ihrer Sammlung einzusenden und in einem kurzen Text sowie mit einigen Fotos die Sammlung zu beschreiben und die Gründe zu erläutern, weshalb bzw. wie sie angefangen haben zu sammeln.
Alle Einsendungen müssen bis zum 14. November 2019 an den Verband Deutscher Antiquare erfolgen. Die Gewinnerin, der Gewinner wird von einer Jury ermittelt, die sich aus Expertinnen und Experten der Buchbranche zusammensetzt. *

Die Jury

Die Gewinnerin, der Gewinner wird von einer Jury ermittelt, die sich aus Expertinnen und Experten der Buchbranche zusammensetzt:

Dr. Björn Biester (verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Aus dem Antiquariat, Frankfurt am Main)

Dr. Achim Bonte (Generaldirektor Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)

Prof. Dr. Ernst Fischer (Vorstandsmitglied Maximilian-Gesellschaft e. V. für alte und neue Buchkunst; Vorsitzender Wiener Bibliophilen-Gesellschaft),

Prof. Dr. Christine Haug (Sprecherin Zentrum für Buchwissenschaft, Buchforschung Verlagswirtschaft – Digitale Medien, Ludwig-Maximilians-Universität München)

Sibylle Wieduwilt (Vorsitzende Verband Deutscher Antiquare e.V., Inhaberin Antiquariat Tresor am Römer, Frankfurt am Main;)


Einsendeschluss ist der 14. November 2019
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per Mail an: buch@antiquare.de
 

„Wir werden immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert, dass junge Menschen kein Interesse am antiquarischen oder direkt am Buch mehr haben. Wir wissen, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil, die Sammlungen oder Sammelgebiete junger Menschen interessieren uns und wir möchten mit der Antiquariatsmesse Stuttgart eine Möglichkeit bieten, diese Sammlungen vorzustellen und eine besonders herausragende Arbeit zu honorieren. Wir sind gespannt auf die Einsendungen!“  Sibylle Wieduwilt, Vorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare

Das Hashtag für den Sammlerpreis ist: #sammlerpreis  

Plakat (PDF) → Download 

Zusatz zur Bewerbung*:  Die Daten der Bewerber werden nicht für Werbezwecke verwendet. Die Gewinnerin, der Gewinner hingegen erlaubt dem Verband Deutscher Antiquare e.V. die Vorstellung der Sammlung und der Person im Internet und auf der Antiquariatsmesse Stuttgart. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Verband Deutscher Antiquare e.V.

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hf